Lothar Heinemanns Großvater wusste schon 1930, wie man den Wein in die Gastronomie bringt. Oft war er mehrere Tage unterwegs, um die Schätze aus dem Markgräfler Land über die Berge des Schwarzwaldes zu transportieren. Mit seinen Weinfässern ging er dahin, wo der Tourismus seine buntesten Blüten trieb, zum Beispiel an den Titisee. Dort gab es damals schon Genießer, die zum Schwarzwälder Menü einen guten regionalen Wein schätzten. Heute bringt der Enkel den Wein vom Batzenberg zu den Schwarzwälder Spitzengastronomen, allerdings nicht mehr mit dem Pferdefuhrwerk, wie einst der Großvater.
Seit 1556 leben die Heinemanns in Scherzingen und ebenso lange beschäftigen sie sich mit Wein. Vater Ernst war es, der 1966 Chardonnay-Reben anpflanzte, allerdings ohne es zu wissen. Damals gab es in Deutschland noch kein Pflanzgut für Weißburgunder, er hatte es aus Chablis geordert. Die Reben aus Frankreich waren allerdings zu jener Zeit noch nicht sortenrein sortiert, und so landeten die Chardonnay-Reben getarnt als Weißburgunder im Markgräfler Land.
10 Jahre lang wurde der Weißburgunder als Chardonnay ausgebaut und in den Bewertungen immer als "untypisch" kritisiert. Erst ein Winzer aus Chablis erkannte die Chardonnay-Reben. Die ganze Zeit also hatte sich Ernst Heinemann, ohne es zu wissen, mit der "exotischen" Sorte beschäftigt. Seither gilt er als der "Chardonnay-Pionier" der Region.
Inzwischen hat der Senior das Weinmachen seinem Junior überlassen, der mit behutsamer Hand die Tradition auf seine Weise weiterführt. 2000 hat Lothar Heinemann das Gut übernommen. Wein macht er bereits seit 1985, also seit über 20 Jahren.
Nicht nur für seinen wunderbaren Chardonnay ist sein Weingut heute bekannt. Der heute 43-jährige war einer der ersten Winzer im Markgräfler Land, der den Spätburgunder nach burgundischer Art ausbaute. Und dafür setzt er bereits im Weinberg auf absolute Qualität: mit original Pinot-Noir-Klonen aus Burgund.
"Der Boden ist mein Erbe. Ich habe ihn nur geliehen." So behandelt ihn Lothar Heinemann auch, respektvoll, mit Boden schonendem Anbau und Dauerbegrünung.
Für radikale Ertragsreduzierung halbiert er die Traube kurz nach der Blüte und reduziert sie nochmals im August. Bei der Ganztraubenvergärung verwendet er nur einwandfreies Lesegut. Die gequetschten Trauben liegen 10 - 14 Tage im Maischebottich, ehe sie abgepresst werden und ins Barrique kommen.
"Im Keller wollen meine Weine gestreichelt werden", bekennt Lothar Heinemann.